Nach Kazbegi, Georgien, wandern
Erlebnis Reisebericht

Armenien und Georgien – Faszination und Ruhe im Kaukasus

Entschleunigt und voller Begeisterung kehrt Nature Tours-Mitarbeiterin Sarah Stempfel von ihrer Studienreise in Armenien und Georgien zurück. «Die Herzlichkeit und die Gastfreundschaft der Armenier*innen und die herrlichen Berglandschaften in Georgien haben mich berührt.» Sarah teilt mit Ihnen ihre Erlebnisse und ihr gesammeltes Wissen in der faszinierenden Welt des Kaukasus – angefangen mit einem unser aller Lieblingsthemen auf Reisen: der Kulinarik.

In Armenien und auch in Georgien ewarten Sie nur kulinarische Highlights. Seien es Gerichte mit einem orientalischen Touch, verschiedene Fleischspiesschen vom Grill oder frisches Grillgemüse. Ich war richtig überwältig von all dem feinen Essen (mmmhh ...). Besonders angetan haben es mir die gefüllten Auberginen und das armenische Moussaka. Und da waren noch: 

  • Chinkali = gefüllte Teigtaschen
  • Chatschapuri = überbackenes Käsebrot
  • Tolma = gefüllte Kohlblätter
  • Lavash = traditionelles Brot


Der Wein

Sind Sie Weinliebhaber*in? Dann werden Sie begeistert sein! In beiden Ländern wird mit Wein einschenken nicht gespart. Ein Glas pro Person beläuft sich, nicht wie bei uns, auf einen Deziliter, sondern auf zweieinhalb (!) Deziliter. Besonders fein fand ich den Wein aus der sonnenreichsten Region im Süden Armeniens. Kein Wunder, denn die sogenannten Areni-Trauben sind bekannt dafür, dass aus ihnen ein vollmundiger Rotwein gekeltert wird.

 

Die Sprache

Was mir vor meiner Reise nicht bewusst war: die Armenier*innen und Georgier*innen kommunizieren untereinander in russischer Sprache. Kleiner Blick zurück: die armenische Sprache hat einen eigenen Sprachzweig in der Familie der indoeuropäischen Sprachen und ein im 4. Jahrhundert entwickeltes Alphabet. Georgisch hingegen gehört zur kaukasischen Sprachfamilie, die zirka vierzig Sprachen umfasst.

In Jerewan, Armenien, und in den meisten grösseren georgischen Regionen war es möglich, uns auf Englisch zu verständigen. In einem Restaurant im armenischen Goris habe ich mich mit dem Übersetzungstool Deepl verständigt: Ich habe den Text eingetippt und die Kellnerin hat das gleiche gemacht. Es war sicher von Vorteil, dass wir mit einem Fahrer unterwegs waren, der Armenisch gesprochen hat. In Georgien dann, hat er sich auf Russisch verständigt.

 

Die Musik

In beiden Ländern hat Musik einen hohen Stellenwert und Tradition. Entsprechend wird an Festen wie Hochzeiten, Geburtstagen, Taufen und Festivals gesungen und getanzt was das Zeug hält. Ab und an wird man aber auch einfach in einem Restaurant aufgefordert. So wie es mir und meinem Partner im armenischen Dschermuk passiert ist: Eine Gruppe armenischer Schachspieler*innen hat uns zum Tanz «geladen». Da wir die einzigen im Restaurant waren, wussten sie sofort, dass wir nicht einheimisch sind. Zu typischer Musik – nicht live sondern von Youtube abgespielt – haben wir mitgetanzt. Ein schönes Erlebnis. 

Die armenische Oboe, auch Duduk genannt, ist ein traditionelles Instrument aus Aprikosenholz. Genau wie die Tschonguri, eine Schalenhalslaute aus Georgien. Unterwegs haben wir ein paar Männer getroffen, die Duduk gespielt haben. Wie Sie sich den Klang vorstellen können? Eine Mischung aus den Klängen von Klarinette, Saxofon und Oboe.

 

Die Landschaft

Historische und moderne Städte prägen Georgien. Ich als Naturmensch war von der wunderschönen Berglandschaft fasziniert, die zu unserer Reisezeit im Juli grün war, und auch mal etwas trocken. 

In beiden Ländern gibt es zahlreiche Wandermöglichkeiten. Meine schönste Wanderung war die zur Gergeti Kirche im Norden von Georgien. Dort oben habe ich mich wie im Paradies gefühlt! Ich habe mich für eine Zeit lang ins Gras gesetzt und Inne gehalten. Um mich herum war alles grün, ruhig und die Sicht auf den Kasbek war eindrücklich, ja, wegen den feinen Schleierwolken an dem Tag, fast schon magisch.

Süsswasser und Schach

Die Landschaft in Armenien gleicht der von Georgien. Was mir von Armenien besonders in Erinnerung bleibt: der Sewansee. Er ist der grösste Süsswassersee im gesamten Kaukasus und einer der grössten Bergseen der Welt. Hat er doch zweimal den Umfang des Bodensees. Apropos Erinnerung: wer Schach mag, der besucht die Schachakademie. Schach ist der armenische Nationalsport.

 

Die Kirchen und die Klöster

Beide Länder sind vom Christentum geprägt. Entsprechend sind die Einheimischen, in beiden Ländern, sehr gläubig. Gemeinsam mit ihren Familien fahren sie am Sonntag zu den Klöstern.

Auch ich habe die ein oder andere Kirche und das ein oder andere Kloster besucht. Die jeweilige Architektur war faszinierend. Wer sich für Geschichte interessiert, der kommt sowohl in Armenien als auch in Georgien nicht zu kurz, im Gegenteil. Gibt es, gerade über Kirchen und Klöster, viel Wissen zu sammeln. Viele Bauten wurden übrigens renoviert und sind in einem guten Zustand. 

 

Das Leben und die Entschleunigung

Was mir in meiner ganzen Reisezeit stets aufgefallen ist: die enorme Gastfreundschaft und Herzlichkeit – sei es in Armenien oder in Georgien. Umso mehr, weil die Armenier*innen ein sehr einfaches Leben führen und trotzdem zufrieden sind. Wir haben ein paar Mal gemeinsam mit armenischen Familien gegessen und konnten uns, dank unseres Fahrers, der übersetzt hat, mit ihnen unterhalten. 

Obschon in Georgien reger Verkehr herrscht (viele LKWs) haben wir uns nie gestresst gefühlt. Denn die Einheimischen strahlen eine gewisse Ruhe aus, die ansteckt. Und in Armenien herrscht wenig bis gar kein Verkehr auf der Strasse. Da sind nur wenige Häuser, viel mehr Landschaft und unendliche Weite.