Plötzlich ruft Nono nur noch «go go go», packt meine Hand und rennt los. Ich sehe unzählige Leute vor mir und den brennenden und funkensprühenden Torbogen… Wo ist unser Mitarbeiter Michael gelandet? Er erzählt es Ihnen in seinem Bericht über «Tsechu», das Klosterfest in Bhutan.

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«Tsechu» – Das Klosterfest in Bhutan
«Tsechu» – Das Klosterfest in Bhutan
Meine Reise nach Bhutan
Im November reise ich zum ersten Mal ins geheimnisvolle Bhutan. Das kleine Land des Donnerdrachens im Himalaya, eingebettet zwischen den beiden grossen Nachbarn China und Indien.
Ein grosses Highlight meiner Reise und Hauptinhalt dieses Berichts sind die Klosterfeste, die sogenannten Tsechu.

Das Klosterfest in Bumthang
In Bumthang findet jeweils im Oktober oder November – genaues Datum nach Mondkalender – das Jambay Lhakhang Drup-Festival statt. Es ist ein traditionelles und eines der bekanntesten «Tsechu» des Landes und ist, wie alle anderen «Tsechu», Guru Ringpoche gewidmet. Dieser Guru Ringpoche, auch als Padmasambhava bezeichnet, brachte den Buddhismus nach Bhutan und wird entsprechend von der Bevölkerung verehrt. Das Wort «Tsechu» bezieht sich auf den 10. Tag des Mondkalenders.
Traditionelle Tänze und Rituale
Am ersten Abend bringt mich Nono, mein Guide und mittlerweile guter Freund, zum Kloster Jambay Lhakhang. Wir werden Zeuge von traditionellen Tänzen und Ritualen. Mittlerweile ist es stockdunkel und Nono meint, der Feuertanz (Mewang) beginne bald und wir sollen uns einen guten Platz ergattern. Auf meine Frage, was der Feuertanz denn genau sei, meint er nur «du wirst schon sehen …»

Der Feuertanz beginnt
Wir versammeln uns mit vielen Einheimischen aus dem Dorf und den umliegenden Tälern sowie einigen weiteren Reisenden um eine Art Torbogen, der mit Tannästen umwickelt ist. Plötzlich ertönen laute Trompetenklänge. Mönche und maskierte Tänzer mit brennenden Fackeln nähern sich. Die Einheimischen werden merkbar ungeduldig und rufen den Mönchen zu.
Kaum ist der Torbogen mit den Fackeln in Brand gesetzt, stürmen die Einheimischen los und rennen durch den brennenden Torbogen. Funken sprühen und fallen auf die Menschen herunter – nicht ganz ungefährlich wie ich finde. Aber da ist es schon zu spät!
Nono rennt los und zieht mich mit. Ich schaffe es noch knapp meine Kapuze hochzuziehen und dann sind wir auch schon in den Flammen und rennen durch den Torbogen.

Adrenalin pur
Huch, ich bin erleichtert. Wir sind heil auf der anderen Seite angekommen. Mein Herz pocht und ich grinse Nono an. Was für ein unvergessliches Erlebnis in diesem faszinierenden Land. Das Ganze hat natürlich einen spirituellen Hintergrund: Mit dem Durchschreiten des brennenden Torbogens lässt man das Böse und die Sünden hinter sich.
Nicht weniger skurril ist der nächste Programmpunkt nach Mitternacht: der nackte Tanz! Dabei führt eine Gruppe einheimischer Männer splitterfasernackt und nur das Gesicht mit einer Maske verdeckt einen Tanz vor dem Kloster auf. Zur grossen Belustigung der Einheimischen und der etwas verdutzten Tourist*innen.
Der Legende nach zerstörte eine lokale Schutzgottheit immer wieder den Bau des Klosters. Erst durch den nackten Tanz von Dorje Lingpa konnte der Bau vollendet werden.

Bunte Kostüme, spirituelle Tänze und furchteinflössende Masken
Der nächste Tag ist vielleicht weniger spektakulär, aber nicht weniger eindrücklich. Es finden verschiedene Maskentänze auf dem Vorplatz des Klosters statt. Die bunten Kostüme und die zum Teil furchteinflössenden Masken runden meinen Besuch des «Tsechu» ab.
Möchten Sie auch ein «Tsechu» hautnah erleben?
Möchten auch Sie einmal ein traditionelles «Tsechu» in Bhutan erleben? Sei es in Bumthang oder an einem anderen Ort. Wir kennen die spannendsten Festivals und die entsprechenden Daten. Michael Krähenbühl und sein Team beraten Sie gerne.





